Alice fällt durch ein Loch in eine Welt, in der nichts mehr nach den alten Regeln funktioniert.
Sie urteilt nicht. Sie fragt. Genau das fällt vielen Unternehmen gerade bei NIS2 schwer. Und die erste Reaktion ist oft Angst statt Neugier.
Bei der 100. Folge von EspressoTalk Anfang September in der MP2 Innovation Lounge habe ich zwei Bilder gehört, die genau diesen Perspektivwechsel zeigen: Stephanie Jakoubis Regenschirm und Manfred Paschers Kreis. Zwei Blickwinkel, eine Haltung. Erst verstehen, dann bewerten.
Vor ein paar Wochen saß ich bei der 100. Folge von EspressoTalk in der MP2 Innovation Lounge. Vor mir eine Himbeertorte, um mich herum eine Dekoration, die fast zu schön war für ein Thema wie Cybersicherheit. Gerlinde Macho stand ganz in Weiß im Raum, wie eine Königin aus einem anderen Buch. Es fühlte sich an wie ein kleines Wunderland mitten am Nachmittag.
Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Nicht über die Torte. Sondern über eine Stelle in Alice im Wunderland, die ich lange falsch gelesen habe.
Alice fällt durch ein Loch in eine Welt, die keiner ihrer bisherigen Regeln folgt. Größen stimmen nicht mehr. Zeit läuft anders. Tiere sprechen. Das Naheliegende wäre, diese Welt mit dem alten Maßstab zu messen und für falsch zu erklären. Alice tut das nicht. Sie urteilt nicht zuerst. Sie fragt zuerst. Wer bist du? Warum ist das so? Was bedeutet das hier? Genau dieser Reflex fehlt uns oft, wenn wir auf neue Regeln treffen, die unsere gewohnte Welt durcheinanderbringen.
Genau das begegnet gerade vielen Unternehmen bei NIS2. Ab 1. Oktober 2026 tritt das NISG 2026 in Kraft, die österreichische Umsetzung der EU-Richtlinie. Betroffen sind rund 4.000 Unternehmen aus 18 Sektoren, deutlich mehr als unter dem bisherigen Gesetz. Neu zuständig ist das Bundesamt für Cybersicherheit im Innenministerium. Für viele Unternehmen ist das der Moment, an dem sie durch ihr eigenes kleines Loch fallen. Vertraute Zuständigkeiten gelten nicht mehr automatisch. Die IT allein reicht nicht mehr aus. Und die erste Reaktion ist oft Angst statt Neugier.
Bei EspressoTalk 100 habe ich zwei Perspektiven gehört, die genau diesen Alice-Moment einfangen, ohne das Wort zu nennen. Stephanie Jakoubi beschreibt Cybersicherheit als Regenschirm. Jedes Unternehmen hat einen, aber nicht jeder Regenschirm schützt gleich gut, und manche merken erst durch einen Geschäftspartner in der Lieferkette, dass es überhaupt regnet. Manfred Pascher wählt ein anderes Bild, den Kreis. Für ihn funktioniert Cybersicherheit nur, wenn IT und Menschen, Technik und Prozesse immer wieder gemeinsam geprüft werden, ähnlich wie im PDCA-Zyklus aus Plan, Do, Check, Act. Zwei Bilder, ein Talk, keine Konkurrenz. Beide fragen zuerst, wie die neue Welt eigentlich funktioniert, bevor sie urteilen.
Und genau darin liegt der eigentliche Perspektivwechsel, den NIS2 verlangt.
Der alte Blick auf Cybersicherheit fragt zuerst: Wie gefährlich ist das. Der neue Blick, der bei EspressoTalk 100 im Raum spürbar war, fragt zuerst: Was können wir daraus lernen.
Das ist kein kleiner Unterschied. Wer zuerst nach der Gefahr fragt, sucht Checklisten und hakt sie ab. Wer zuerst nach dem Lernen fragt, baut etwas auf, das trägt, wenn sich die Regeln wieder ändern. Und sie werden sich wieder ändern. Bedrohungen entwickeln sich weiter, Technologien auch, und mit ihnen die Anforderungen. Ein Unternehmen, das NIS2 nur als Bedrohung liest, wird jede neue Vorgabe als nächsten Schock erleben. Ein Unternehmen, das fragt, was diese neue Welt eigentlich von ihm will, findet in derselben Regelung einen Anlass, endlich gemeinsam zu klären, wer wofür verantwortlich ist.
Alice hat sich am Ende nicht gegen das Wunderland entschieden. Sie hat gelernt, darin zu bestehen, indem sie es verstanden hat, bevor sie es bewertet hat.
Vielleicht ist das die eigentlich unterschätzte Kompetenz hinter NIS2. Nicht Technik. Nicht Paragraphen. Sondern die Bereitschaft, eine Welt mit veränderten Regeln erst zu befragen, bevor man sie mit dem alten Raster misst.
Danke an Gerlinde Macho und das gesamte MP2-Team für dieses kleine Wunderland rund um EspressoTalk 100, und danke an Stephanie Jakoubi und Manfred Pascher für zwei Bilder, die noch lange nachwirken.
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Technologie fasziniert mich, besonders die Frage, was wir Menschen daraus machen. Als Digitalstrategin und MINTfluencerin verbinde ich technisches Wissen mit Neugier, Experimentierfreude und lebendigem Austausch.
Mit meinem Unternehmen Online Podium begleite ich kleine Unternehmen durch die digitale Transformation und entwickle Workshops und Impulse rund um Zukunftskompetenzen (Future Skills) mit Fokus auf technische Mündigkeit.
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