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So viele Frauen waren 2010 in Wien als IT-Dienstleisterinnen selbstständig. Sieben Jahre später waren es 489. Weniger. Wir sprechen seit Jahren über Veränderung. In der IT zeigen die Zahlen etwas anderes: Seit 15 Jahren bewegen wir uns um die zwölf Prozent. Unter demselben UBIT-Dach, in der Unternehmensberatung, hat sich in derselben Zeit viel bewegt.
📸 Zum Bild: Das Leopold Museum war dieses Mal Ziel des Formats Zukunft: Unternehmensberatung der UBIT Niederösterreich. (Fotocredit: Katharina Wocelka)
Dieser Besuch hat mich beim Schreiben begleitet. Ein Museum ist ein Ort des Bewahrens. Und trotzdem gehen wir nicht hinein, um stehen zu bleiben. Wir bewundern, was war, und nehmen etwas mit für das, was kommt. Was dort heute an den Wänden hängt, war zu seiner Zeit selbst Veränderung. Bewahren kann also auch der Boden sein, auf dem Neues wächst.
Kein fertiges Rezept. Ein Gedanke, den ich laut mit euch teilen möchte.
Wer so rechnet, kommt nie bis zwanzig. Das stellt Alice fest, kurz nachdem sie in den
Kaninchenbau gefallen ist (diese Szene stammt aus Lewis Carrolls „Alice im
Wunderland“). Sie will prüfen, ob sie noch sie selbst ist, und greift dafür zu dem, was sie
kennt: dem Einmaleins. Nur passt es nicht mehr zu der Welt, in der sie gelandet ist.
An diese Szene musste ich denken, als ich mir vor kurzem die Mitgliederstatistik der
Wirtschaftskammer für Wien angesehen habe. Bei einer Zahl habe ich zweimal
hingeschaut.
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So viele Frauen waren 2010 in Wien als IT-Dienstleisterinnen mit eigenem Einzelunternehmen aktiv. Sieben Jahre später waren es 489. Nicht mehr, sondern weniger. In denselben Jahren kamen fast 400 Männer dazu.
Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Nicht über Quoten. Sondern darüber, wie wir
eigentlich verändern, wenn wir dabei so vieles bewahren. Die ganze Zeitreihe bis 2025 erzählt eine ruhige, aber deutliche Geschichte. In der IT-Dienstleistung ist der Frauenanteil in Wien in 15 Jahren von 9,7 auf 11,2 Prozent gestiegen. Unter demselben UBIT-Dach, in der Unternehmensberatung, stieg er im selben Zeitraum von 28,8 auf 37,5 Prozent. In der Beratung ist seit 2010 fast jede zweite neue
Selbstständige eine Frau. In der IT ist es jede siebte.
Und die Zwölf taucht immer wieder auf. Die Impact IT-Studie 2026 des VÖSI,
wissenschaftlich geleitet von Economica, kommt in den befragten Unternehmen auf 12,8
Prozent Frauen in IT-Rollen und 12,2 Prozent in Führungspositionen. Insgesamt arbeiten dort 21,8 Prozent Frauen. Frauen sind also in den IT-Unternehmen. Nur seltener in den IT- Rollen. Auch beim Nachwuchs landen wir in derselben Größenordnung. Laut dem Factsheet von Frau in der Wirtschaft der WKO lag der Frauenanteil 2024 im Einzellehrberuf Applikationsentwicklung Coding bei 12,4 Prozent.
Eine Erklärung höre ich immer wieder. Die Umgebung in der IT kann sich nicht verändern, solange zu wenige Frauen dort sind. Und es sind zu wenige Frauen dort, weil sich die Umgebung nicht verändert. Dazwischen stehen Männer, die ehrlich sagen, sie wüssten nicht, wie sie uns motivieren sollen. Und Frauen, die auf eine Umgebung warten, die zu ihnen passt. Ich glaube, alle meinen es hier gut. Und trotzdem dreht sich etwas im Kreis. Wir zählen fleißig. Wir messen, berichten, vergleichen. Wir kommen nur nicht bis zwanzig. Nicht, weil wir falsch rechnen, sondern weil wir mit der alten Tabelle rechnen.
Wir wollen eine neue Welt betreten. Und prüfen sie mit den Regeln der alten.
Dabei ist Bewahren nicht falsch. Manches verdient es, bewahrt zu werden: Qualität,
Verlässlichkeit, fachliche Tiefe. Die eigentliche Frage ist eine andere. Was bewahren wir,
weil es uns trägt? Und was bewahren wir, weil es uns vertraut ist?
Was in der Beratung anders gelaufen ist, kann ich nur vermuten. Aber ein Detail in der
Zeitreihe fällt mir auf. 2012 hat die Wiener Unternehmensberatung die Schwelle von 30
Prozent Frauen überschritten. Seitdem steigt der Anteil Jahr für Jahr weiter, fast wie von
selbst.
Ich bin keine Soziologin. Aber bei meiner Recherche bin ich auf die Arbeit von Rosabeth
Moss Kanter gestoßen. Sie hat schon 1977 beschrieben, was in Gruppen passiert, in denen eine Minderheit nur rund 15 Prozent ausmacht. Die Einzelnen werden dort zu Ausnahmen. Sie werden beobachtet, verglichen, stellvertretend für alle gesehen. Erst wenn eine Gruppe deutlich größer wird, hört sie auf, Ausnahme zu sein. Heute sprechen wir von Sense of Belonging: dem Gefühl, an einem Ort selbstverständlich dazuzugehören. Wer es hat, bleibt. Und wer bleibt, bringt andere mit.
Deshalb glaube ich: Das Ziel heißt nicht zwanzig.
Wir brauchen dreißig Prozent. Ab dort kann sich die Veränderung selbst tragen. Unter dieser Schwelle bleibt jede Initiative ein Anschieben. Darüber beginnt etwas zu rollen. Und genau dort steckt die IT seit 15 Jahren im Stau.
Beim Weiterlesen bin ich allerdings auf einen wichtigen Einwand gestoßen. Er geht auf die Psychologin Janice Yoder zurück, die sich später mit Kanters Ansatz auseinandergesetzt hat. So wie ich ihre Arbeit verstanden habe, reichen Zahlen allein nicht immer. Wenn Veränderung als Verlust erlebt wird, kann der Widerstand mit wachsender Zahl sogar zunehmen. Zahlen sind notwendig. Aber sie sind nicht ausreichend.
Und hier schließt sich für mich der Kreis zum Bewahren. Menschen halten fest, was ihnen Sicherheit gibt. Veränderung gelingt dort, wo sie nicht als Verlust erlebt wird, sondern als Gewinn für alle.
Auch Alice findet übrigens ihren Weg. Nicht, indem sie das Einmaleins lauter aufsagt.
Sondern indem sie ausprobiert. Ein Stück vom Pilz von der einen Seite, ein Stück von der anderen. So lange, bis sie die Größe hat, die zur Tür passt.
Die neue Welt hat eigene Regeln. Man lernt sie nur, wenn man sich auf sie einlässt.
Ich habe darauf keine fertige Antwort. Dieser Text ist ein Gedanke, den ich laut mit euch teilen möchte.
💭 Was bewahrt ihr in euren Unternehmen, in euren Teams, in eurem eigenen Denken, weil es trägt? Und was, weil es vertraut ist? Ich freue mich auf eure Perspektiven, besonders auf jene, die anders sind als meine.
WKO Mitgliederstatistik, aktive Mitglieder in den Berufszweigen IT-
Dienstleistungen und Unternehmensberatung, Wien 2010 bis 2025 (Geschlecht nur bei
Einzelunternehmen ausgewiesen) · VÖSI Impact IT-Studie 2026, wissenschaftliche
Leitung Economica (mittlerer Frauenanteil der Stichprobe, ungewichtet) · Frau in der
Wirtschaft, WKO: Factsheet 2025 · Rosabeth Moss Kanter: Men and Women of the
Corporation, 1977 · Janice D. Yoder: Rethinking Tokenism. Looking beyond Numbers,
Gender & Society, 1991 · Lewis Carroll: Alice im Wunderland, 1865
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Technologie fasziniert mich, besonders die Frage, was wir Menschen daraus machen. Als Digitalstrategin und MINTfluencerin verbinde ich technisches Wissen mit Neugier, Experimentierfreude und lebendigem Austausch.
Mit meinem Unternehmen Online Podium begleite ich kleine Unternehmen durch die digitale Transformation und entwickle Workshops und Impulse rund um Zukunftskompetenzen (Future Skills) mit Fokus auf technische Mündigkeit.
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Margarita
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