Welche digitale Zukunft entsteht, wenn wichtige Perspektiven fehlen?
Diese Frage ist für mich zentral, wenn wir über Frauen, IT und digitale Transformation sprechen.
Denn Digitalisierung ist längst nicht mehr nur ein Thema für IT-Abteilungen. Sie prägt Bildung, Gesundheit, Verwaltung, Kommunikation, Unternehmen, Mobilität und unseren Alltag. Wenn Frauen in diesen Räumen fehlen, fehlen nicht nur Zahlen in einer Statistik.
Genau darüber habe ich bei der 97. Folge von EspressoTalk gesprochen – zum ersten Mal live vor Publikum bei Cisco in Wien, gemeinsam mit Ingrid Heschl und Julia Katovsky von SHE goes DIGITAL. EspressoTalk ist seit Jänner 2022 unter diesem Namen unterwegs. SHE goes DIGITAL ebenfalls seit 2022.
Vielleicht war genau deshalb dieser Moment so besonders: Zwei Formate, die seit Jahren digitale Zukunft sichtbar und zugänglich machen, haben sich in einem echten Raum getroffen. Und wieder wurde klar: Digitale Transformation beginnt oft mit Mut und mit Menschen, die diesen Mut in unterschiedlichen Rollen unterstützen.
Manchmal beginnt digitale Transformation nicht mit einer großen Strategie, nicht mit einem perfekten Konzept und auch nicht mit einer langen Präsentation. Manchmal beginnt sie mit einem einfachen Satz: „Lass uns das ausprobieren.“
Vielleicht ist genau dieser Satz der geheime Zauberspruch unserer Zeit.
So begann auch dieser besondere EspressoTalk-Moment. Ein Format, das seit Jänner 2022 unter dem Namen EspressoTalk sichtbar ist, viele digitale Begegnungen getragen hat und inzwischen bei Folge 97 angekommen ist, hat plötzlich etwas getan, das sich fast wie ein kleiner Schritt durch eine verborgene Tür angefühlt hat: EspressoTalk hat den analogen Raum betreten.
Nicht mehr nur als Livestream. Nicht mehr nur als digitales Gespräch zwischen Kamera, Bildschirm und Kommentarspalte. Sondern live vor Publikum. In einem echten Raum. Bei Cisco im Zentrum von Wien. Mit Menschen, die nicht nur zugeschaltet waren, sondern da waren. Die zuhörten, nickten, mitdachten, Fragen stellten und nach dem Gespräch nicht einfach das Fenster schlossen, sondern noch blieben.
Es war ein bisschen wie bei Alice im Wunderland: Man geht durch eine Tür und merkt plötzlich, dass derselbe Raum ganz anders wirkt, wenn man ihn wirklich betritt. Der Livestream blieb Livestream, aber er bekam eine neue Dimension. Die Stimmen hatten Körper. Die Fragen hatten Gesichter. Die digitale Begegnung wurde räumlich spürbar.
Für mich war das mehr als eine Premiere. Es war ein Experiment.
Und vielleicht ist genau das der Kern von digitaler Transformation: nicht nur über neue Möglichkeiten zu sprechen, sondern sie auszuprobieren. Nicht alles im Voraus zu wissen, sondern einen Schritt zu machen. Nicht zu warten, bis alles perfekt ist, sondern zu schauen, was passiert, wenn eine Idee den geschützten digitalen Rahmen verlässt und mitten im Raum steht.
Zu Gast waren Ingrid Heschl und Julia Katovsky vom Team hinter SHE goes DIGITAL. Auch dieses Programm trägt eine besondere zeitliche Verbindung zu EspressoTalk: SHE goes DIGITAL ist ebenfalls seit 2022 unterwegs. Zwei Initiativen, die im selben Jahr begonnen haben, sich auf unterschiedliche Weise für digitale Zukunft starkzumachen, trafen sich nun in einem Raum.
Und plötzlich entstand daraus eine schöne Symbolik.
EspressoTalk, das Gesprächsformat, das digitale Perspektiven sichtbar macht, begegnete SHE goes DIGITAL, einem Programm, das Frauen den Zugang zur digitalen Welt erleichtert. Beide Formate verbindet etwas sehr Wesentliches: Sie schaffen Räume. Räume für Fragen. Räume für Lernen. Räume für Sichtbarkeit. Räume für den Mut, einen ersten Schritt zu machen.
Im Zentrum unseres Gesprächs stand eine Frage, die aktueller kaum sein könnte: Wie wird Chancengerechtigkeit in der Digitalisierung praktisch erlebbar – für Frauen und Mädchen, für Unternehmen und für unsere gemeinsame Zukunft?
Denn digitale Zukunft entsteht nicht nur durch Technologie. Sie entsteht durch Zugang, Vertrauen, Zugehörigkeit, Role Models, Weiterbildung und Zusammenarbeit. Sie entsteht dort, wo Menschen sich trauen, eine neue Tür zu öffnen, auch wenn sie noch nicht genau wissen, was dahinter liegt.
Bei SHE goes DIGITAL ist diese Tür sehr konkret. Das Programm zeigt Frauen, dass sie nicht schon fertige IT-Spezialistinnen sein müssen, um in die digitale Welt einzusteigen. Sie müssen nicht schon alles wissen. Sie müssen nicht mit perfektem technischem Vokabular kommen. Sie brauchen vor allem Interesse, Lernbereitschaft, Neugier und den Mut, sich selbst in einem neuen Raum vorzustellen.
Das klingt einfach. Aber genau darin liegt oft die größte Hürde. Denn viele Frauen scheitern nicht am fehlenden Potenzial. Sie scheitern an inneren und äußeren Bildern davon, wer „in die IT passt“. Sie fragen sich, ob sie gut genug sind, ob sie technisch genug sind, ob sie dazugehören dürfen. Und genau hier beginnt Zugehörigkeit. Nicht als schönes Zusatzgefühl, sondern als Grundlage dafür, ob Menschen bleiben, wachsen und ihre Kompetenzen entfalten.
Ingrid Heschl hat im Gespräch ein Bild gewählt, das mich sehr berührt hat: Für sie ist SHE goes DIGITAL eine Brücke. Eine Brücke zwischen Frauen unterschiedlichen Alters und Unternehmen. Eine Brücke zwischen Neugier und beruflicher Möglichkeit. Eine Brücke zwischen dem Satz
„Ich weiß nicht, ob ich das kann“ und dem Moment
„Ich probiere es aus“.
Julia Katovsky hat ein anderes Bild gewählt: Für sie ist SHE goes DIGITAL ein Schlüssel. Ein Schlüssel zum eigenen Potenzial. Ein Schlüssel zu Selbstvertrauen. Ein Schlüssel zu mehr Selbstbestimmung in der digitalen Zukunft.
Diese beiden Bilder haben sich für mich während des Gesprächs fast wie ein modernes Märchen verbunden. Denn manchmal braucht es zuerst eine Brücke, um überhaupt auf die andere Seite zu gelangen. Und dann braucht es einen Schlüssel, um die eigene Tür zu öffnen.
Vielleicht ist SHE goes DIGITAL genau so ein Ort zwischen Brücke und Schlüssel. Ein Ort, an dem Frauen nicht gefragt werden:
„Warum bist du noch nicht weiter?“, sondern:
„Wo stehst du gerade und was brauchst du für den nächsten Schritt?“
Genau diese Verbindung finde ich so wichtig: Technik und Selbstvertrauen werden nicht getrennt gedacht. Denn Wissen allein reicht oft nicht. Man muss sich auch zutrauen, dieses Wissen einzusetzen. Man muss üben, die eigene Kompetenz sichtbar zu machen. Man muss lernen, über den eigenen Wert zu sprechen. Und man braucht Menschen, die sagen: Du darfst hier sein. Du kannst das lernen. Du gehörst dazu.
Das erinnert mich an Pippi Langstrumpf. Nicht, weil digitale Transformation ein Kinderspiel wäre. Sondern weil Pippi etwas verkörpert, das wir in digitalen Veränderungsprozessen dringend brauchen: den Mut, die Welt nicht nur so zu akzeptieren, wie sie erklärt wird. Pippi fragt nicht zuerst, ob sie darf. Sie probiert aus. Sie nimmt sich Raum. Sie denkt quer. Und genau dadurch zeigt sie anderen, dass Regeln manchmal nicht Naturgesetze sind, sondern Gewohnheiten.
Vielleicht brauchen wir in der digitalen Transformation mehr von dieser Pippi-Haltung. Nicht als Naivität, sondern als Zukunftskompetenz. Die Fähigkeit, sich selbst nicht zu klein zu denken. Die Fähigkeit, Fragen zu stellen, auch wenn man die Fachsprache noch nicht perfekt beherrscht. Die Fähigkeit, einen Raum zu betreten, auch wenn er bisher nicht für einen gedacht war.
Deshalb ist die Frage nicht nur: Wie bringen wir mehr Frauen in die IT?
Die größere Frage ist: Welche digitale Zukunft entsteht, wenn wichtige Perspektiven fehlen?
Technologie entsteht nie neutral. Sie entsteht aus Erfahrungen, Fragen, Bedürfnissen und Entscheidungen. Wenn bestimmte Perspektiven nicht mit am Tisch sitzen, fehlen sie später auch in den Produkten, Systemen und Lösungen, die unseren Alltag prägen. Besonders bei künstlicher Intelligenz wird das sichtbar. Wenn Frauen nicht repräsentiert sind, wenn ihre Erfahrungen nicht einfließen, wenn ihre Fragen nicht gestellt werden, dann entstehen Anwendungen, die nicht für alle gleich gut funktionieren.
Es geht also nicht nur um mehr Frauen in der IT. Es geht um bessere Technologien. Um vielfältigere Lösungen. Um gerechtere digitale Räume. Um eine Zukunft, in der nicht nur einige wenige gestalten und viele andere sich anpassen müssen.
An diesem EspressoTalk-Tag wurde genau das spürbar. Es war nicht nur ein Gespräch über digitale Transformation. Es war selbst ein Beispiel dafür, wie Transformation gelebt werden kann: analog und digital zugleich, live vor Publikum und online sichtbar, kurz im Format und trotzdem voller Tiefe.
Ein großes Dankeschön gilt Sabrina Winischhofer, die diesen besonderen EspressoTalk-Moment in den Räumlichkeiten von Cisco möglich gemacht hat. Sie hat mit Cisco einen Raum geöffnet, in dem Austausch, Lernen und Dialog möglich wurden. Und genau solche Räume brauchen wir.
Denn digitale Zukunft entsteht nicht nur dort, wo programmiert wird. Sie entsteht dort, wo Menschen zusammenkommen, Perspektiven teilen, Fragen stellen und gemeinsam weiterdenken. Sie entsteht in Momenten, in denen jemand sagt: „Komm, wir probieren das aus.“ Und andere nicht nur zustimmen, sondern wirklich mitgehen.
Für EspressoTalk war diese 97. Folge deshalb mehr als eine weitere Episode. Sie war ein Schritt aus dem digitalen Wunderland in einen echten Raum und zugleich der Beweis, dass digital und analog keine Gegensätze sind. Sie können einander verstärken: Der Livestream schafft Sichtbarkeit. Der Raum erzeugt Resonanz. Das Gespräch stiftet Verbindung.
Vielleicht beginnt Veränderung genau dort: zwischen Kamera und Kaffeetasse, zwischen Publikum und Podcast, zwischen Brücke und Schlüssel, zwischen Alice und Pippi, zwischen Realität und Vorstellungskraft. Doch entscheidend ist nicht nur, einen neuen Raum zu betreten. Entscheidend ist, was danach darin möglich wird. Wenn Menschen einander zuhören, Perspektiven sichtbar werden und Mut Unterstützung bekommt, bleibt ein Experiment nicht nur ein Experiment. Dann wird daraus Bewegung.
Und manchmal beginnt genau so etwas Neues.
Fotocredit: Raphaela Ch. Müller
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Technologie fasziniert mich, besonders die Frage, was wir Menschen daraus machen. Als Digitalstrategin und MINTfluencerin verbinde ich technisches Wissen mit Neugier, Experimentierfreude und lebendigem Austausch.
Mit meinem Unternehmen Online Podium begleite ich kleine Unternehmen durch die digitale Transformation und entwickle Workshops und Impulse rund um Zukunftskompetenzen (Future Skills) mit Fokus auf technische Mündigkeit.
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mit digitalen Grüßen
Margarita
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